SPD am Aschermittwoch: Amüsant und Fulminant

Alessa Lunz, Matthias Oberth und Thomas Lunz

07. März 2019

Einen abwechslungsreichen Abend erlebten die Gäste der SPD beim politischen Aschermittwoch im Keller der Brauereigaststätte Döbler. Musikalisch wurde das Publikum bestens eingestimmt durch Dieter Vatter und Frank Beuschel, die mit Gesang und zwei akustischen Gitarren einen besonderen Rahmen für die Veranstaltung schufen.

Der frischgebackene SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Ronald Reichenberg, unternahm einen Streifzug durch die Kreispolitik und hob die gute Zusammenarbeit innerhalb der Kreistagsfraktion, aber auch mit Landrat Helmut Weiß hervor. „Der Landkreis profitiert von Bad Windsheim und Bad Windsheim profitiert vom Landkreis“, so Ronald Reichenberg, nicht zuletzt mit Blick auf die Erweiterung der Franken-Therme, an deren Kosten sich der Landkreis über den Zweckverband nicht unerheblich beteiligt. Stadtpolitik auf andere Art und Weise präsentieren, das hat die SPD bereits im vergangenen Jahr umgesetzt, als man mit Karl-Otto Mollwitz einen SPD-Stadtrat aus Burgbernheim mit auf die Bühne holte und in anekdotisch-ironischer Form die Vor- und Nachteile der Nachbarstädte herausarbeitete. Dieses lautete die Fragen: War früher alles besser? Ist heute alles schlecht oder ist etwa heute alles gut? Wer könnte darauf bessere Antworten liefern, als ein altgedienter Stadtrat und ein junger Mensch, der in Bad Windsheim wohnt? Und wenn die beiden auch noch aus der gleichen Familie stammen, umso besser. Mit Thomas Lunz und seiner Tochter Alessa standen zwei Protagonisten zur Verfügung, die mit ihrer Schilderung die Gäste des politischen Aschermittwochs in vielerlei Hinsicht überzeugten. Moderiert von SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Matthias Oberth berichte zunächst Thomas Lunz von seiner Zeit als aktiver Stadtrat in den Jahren 1996 bis 2008. In den ersten sechs Jahren, die auch die erste Amtszeit von Bürgermeister Wolfang Eckardt darstellten, wurde viel bewegt und in die Wege geleitet. „Wir haben quer durch alle Fraktionen zusammengearbeitet und uns gegenseitig vertraut“, so Thomas Lunz rückblickend. Deshalb wurde auch viele Projekte umgesetzt, die zum Teil noch unter SPD-Bürgermeister Otmar Schaller angeleiert worden waren. Beispielsweise das Kur- und Kongress-Center und damit der Einstieg in die Entwicklung der Kur- und Erholungsbereichs östlich der Erkenbrechtallee. Der Bau der Therme oder die Sanierung des Marktplatzes fielen Thomas Lunz noch als Highlights der ersten sechs Jahre an. Doch in der zweiten Amtsperiode von Wolfgang Eckardt habe sich das Klima deutlich verschlechtert. Eckardt glaubte, mit seiner FWG und der CSU im Bunde seine Vorstellungen von Stadtpolitik ohne Rücksicht auf Verluste umsetzen zu können. Der geplante Umbau des Freibads zu einem Naturbadeteich oder die Umgestaltung des Schießwasens und FSV-Geländes zu einem Einkaufsareal gehörten zu den Plänen, die den Stadtrat und schließlich auch die Bevölkerung spalteten. Sechs Jahre mit heftigen Auseinandersetzungen, folgten sechs Jahre mit SPD-Bürgermeister Ralf Ledertheil, der leider nur wenig neue Impulse setzen konnte. Inzwischen sind fünf Jahre Amtszeit des CSU-Bürgermeisters Bernhard Kisch vorüber und auch hier ist wenig von einem neuen Miteinander zu spüren, wie Matthias Oberth anmerkte. Soweit, so schlecht? Bei weitem nicht. Mit fulminanten Statements und erfrischender Offenheit beschrieb Alessa Lunz ihre Heimatstadt, in die sie nach einigen in Triesdorf und München verbrachten Jahren zurückgekehrt ist. „Es ist schön in Bad Windsheim zu wohnen“, sagt sie und erklärt auch warum: Es gibt ein breites Kulturangebot, eine abwechslungsreiche Gastronomie, einen engagierten Einzelhandel und eine wunderbare Altstadt mit attraktiven Altbauten. Diese müssten war teilweise erst saniert werden, aber es lohne sich, hier seinen Wohnsitz zu nehmen, weil alles überschaubar und dennoch ansprechend sei. Ideale Bedingungen demnach? Nein, sicher ist nicht alles gut, gibt Alesa Lunz unumwunden zu. Vieles könnte noch verbessert werden, damit die junge Generation in Bad Windsheim bleibt oder gute Gründe hat, hierher wieder zurückzukehren. Eine deutlich verbesserte Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Großräume Nürnberg und Würzburg, schnelles Internet, damit Homeoffice nicht nur ein ferne Vision bleibt oder Konzepte ausprobieren, die noch nicht jeder im Angebot hat, dass wären die Dinge, die schnellstmöglich angepackt werden sollten. „Ich habe manchmal den Eindruck, es fehlt in Bad Windsheim am Mut, einfach mal was anzupacken“, so ihre Sicht der Dinge. Sie sieht eine Zukunft in der Stadt, wenn man sich nur traut, „loszulegen und für Verbesserungen zu sorgen, die dann auch uns jungen Menschen zu Gute kommen“.

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